Tag 12: Kärsämäki – Heinola. Letzter Tag vor der Fähre.

Der letzte komplette Tag vor der Fähre. Wir haben 24 Grad und Sonne. Der Hammer. Die geraden Straßen an der finnischen Seenplatte machen das Fahren hier zur Seelenmassage. Wenn nicht dieser furchtbare Ohrwurm wäre. Ich habe „Live is Live“ von Opus schon gehaßt, als es rauskam. Jetzt sitze ich auf dem Motorrad und singen dauernd “ Labadap bapbap live“ “ Na na nana na “ Komm Junge lenk dich ab, laß die Gedanken fliegen. Wenn etwas möglich ist, dann hier die Gedanken fliegen lassen. Sonorer Motorenklang, gerade Straßen, tolles Wetter.

Labadap bapbap, live. Wozu gibt es eigentlich Beitragsbemessungsgrenzen, oder private Krankenkassen ? – Warum sitze ich beim Arzt erst eine halbe Stunde mit Lesestoff im Wartezimmer und dann eine Stunde im Flur vorm Behandlungszimmer, ohne Zeitschrift ? – Jogi Löw ist schön, gepflegt und erfolgreich, sein Assistent Hansi auch, daß kann doch nur heißen….. und wie geht es eigentlich Guido Westerwelle ? – Schläft Angela Merkel mit ihrem Ma…. na na nana na.

Das war knapp. Das geht über Kilometer so. war Tom Hanks in Philadelphia besser oder in Forrest Gump ? Ist “ Die Verurteilten“ der beste Film aller Zeiten ? – Ist Christoph Waltz jetzt Deutscher oder
Österreicher ? Kung Fu war eine tolle Serie, damals … live.. na na nana na……
Hoppla, Robert blinkt zur Tankstelle. Ich halte neben ihm und frage: “ Wo sind wir eigentlich ?“ “ Keine Ahnung, war mit den Gedanken woanders, irgendwas mit Doppel – ää ! “ Ist das die totale Entspannung ? Als wir weiterfahren, fällt mir auf, daß seit zig Tagen irgendwas mit Bin Laden in den norwegischen und finnischen Zeitungen steht. Den haben sie wohl erwischt. Wir wissen aber immernoch nichts genaues.

Wir haben im Prinzip nichts von dem mitbekommen, was man sonst wichtige Nachrichten nennt. Zu Hause unvorstellbar. N24, ntv, Zeitung, man würde sich um die Infos reißen. Es ist jetzt nicht so, daß wir demonstratives Desinteresse zeigen wollen, aber wir haben seit zehn Tagen keinen Fernseher oder oder Zeitung gesehen. Und es ist für uns einfach nicht wichtig. Auch wenn wir mal WLan haben schauen wir nicht in Zeitungen. Wir vergessen es einfach. Tagebuch schreiben, dann irgendwann ins Bett.

Wir stellen fest, daß 99 % von allem, was täglich über den Bildschirm oder durch die Gazetten geistert eigentlich völlig unwichtig ist und unser Leben nicht im geringsten betrifft. Am Telefon besprechen wir das Tagesgeschehen mit den Familien auch nicht. Die Zeit ist zu kostbar. Da tauscht man Wichtiges aus.

Von existenziellem Belang war für uns nur, daß unsere Frauen uns sagten, daß Sie und unsere Kinder gesund sind. Das alle uns Lieben und sehr Vermissen. Mehr muß ein Mann in Finnland, auf dem Weg nach Hause, nicht wissen. Es ist das einzige, was wirklich zählt.
gap

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