Auf nach Tarifa

Etwas mehr als 7000 km in 2 Wochen. Wieso macht Man(n) sowas ? Eine Frage, die uns gestellt wird und auf der wir jede Menge Antworten finden. Jeder von uns mit seinen eigenen Bilder und Nuancen, die beim Rückblick auf diese Reise kommen. 

Vereinfacht und kurz gefasst startet die Motorrad-Reise im Münsterland nahe der holländischen Grenze über  Luxemburg zum Atlantik im Süden von Frankreich , danach den direkten Weg durch Spanien zu Tarifa entlang der portugisischen Grenze. Von dort fahren wir weiter durch den Süden von Spaniens entlang des Mittelmeeres wieder Richtung Frankreich, streifen Andorra, Monaco, integrieren die Route der Grandes Alpes. Die letzte Übernachtung ist in der Schweiz. Wir finden eine gute Mischung zwischen Autobahn-, genüsslichen Landstraßen- und kurvenreichen Alpen- Fahrtagetage.

Der Treffpunkt zum Start der Tour war am Rastplatz Bottrup Süd auf der A2. Freudig und aufgeregt geht’s los. Unser erstes geplantes Etappenziel ist der Regionaler Naturpark Forêt d’Orient in der Champagne in Frankreich. Ein Campingplatz direkt am See. 

Es ist Pfingstwochenende und wir haben nicht reserviert. Nach einem ersten schönen Fahrtag, der nach der Autobahn Knüppelei in Luxemburg begann, war es mittlerweile fast 20 Uhr und wir waren in einer Gegend,  in der es keinen Campingplatz, Pension oder Hotel mehr für diese Nacht gab. Somit fuhren wir  weiter unserer Route. Ein Blick und Impuls im richtigen Moment führte uns kurz hinter Troyes zu einem Schnellimbiss, wo Menschen draußen gelassener Stimmung sich unterhielten und tranken. 

Ein Glück, dass Dirk so gut französisch spricht und wir in Kontakt mit den Franzosen in dem Schnellimbiss kommen und unser Problem, keine Unterkunft zu finden, gehör findet. Wir werden fast schon herzlich bedient und für mich, der gar kein französisch spricht, ist eine Verständigung mit Händen und Füßen möglich.

Ich kann mich nur an wenige Momente erinnern, eine so offene, freie und vorsichtige Gastfreundschaft erlebt zu haben. Es stellt sich heraus, dass die Menschen vor dem Schnellimbiss eine motorradbegeisterte Familie ist, die uns in Ihrem Garten zum Zelten einladen, was wir dankend annehmen. Mit Pizza und Bier im Schnellimbiss versorgt, können wir nur wenige hundert Meter weiter unsere Zelte aufbauen – und das ist noch nicht alles….

Ich habe noch nichts zum Lachen! Meine Pizza fehlt noch…

Es geht weiter… das erste Mal relativ schnell unsere Zelte aufgebaut zum Schutz des angekündigten Regen sprechen wir bei einem Bier über den ersten Fahrtag. Wir sitzen nicht lange,  da kommen unsere Gastgeber und laden uns zu einem Getränk zu sich ein. Die ganze Familie war anwesend inklusive der Großeltern.

Unser erster gemeinsamer Camping-Abend…

Michel, der Großvater, ein Motorradliebhaber zeigt mir seine Werkstatt mit verschiedenen Motorrädern und Motoren, von dem ich nur wenig verstehe und auch schon mal gar nicht auf französisch, aber ich spüre eine Begeisterung in dem was er mir zeigt und artikuliert. Manchmal braucht es gar nicht mehr für einen Begegnung. Die ganze Familie zeigt uns Ihre Motorrad Begeisterung. Der Sohn und die Enkel von Michel sind begeisterte Enduro-Fans auf Wettkampf Niveau.

Irgendwann regnets und wir wechseln von der Terrasse ins Wohnzimmer, trinken Champagner, wie es in der Gegend der Champagne üblich ist. Wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft – wie lachen sehr viel zusammen und bekommen noch rechtzeitig die Kurve, denn ein langer Fahrtag auf der Autobahn steht bevor. 

Am nächsten Morgen kümmert sich Michel rührend um uns. Er bietet uns sein einfaches Badezimmer an und ein kleines Frühstück mit Croissants und Kaffee, dass wir gerne annehmen. Entzückend ist auch zu beobachten, dass seine Frau im Hintergrund immer dabei ist und die Gastfreundschaft von Michel unterstützt. 

Wie werden von Ihm über einen Schleichweg zur Autobahn geführt und konnten den Abschied zum Glück in einem Foto auffangen. Danke Michel! 

Französische Autobahn und Maut

Paris weiträumig zu umfahren hat geklappt und wir sind auf der Autobahn zu unserem nächsten Ziel zu einem Campingplatz bei Pons weniger als hundert km vom Atlantik entfernt. 

Direkt zu Anfang werden wir von einem heftigen Gewitter erwischt und als wir von den ersten Tischtennis großen Hagelkörner getroffen werden, was übrigens bei 80 km/h schmerzlich sein kann, rasten wir eine Stunde unter einer unter Wasser stehenden Autobahnbrücke. Dirk hat den Regenradar im Blick und wählt einen passenden Moment, um die letzten Schauer zu umfahren.

Mehr Regen geht nicht…

Die französische Maut-Technik bringt Dirk und Ingo – milde ausgedrückt zum Kochen – leider erwischen diese immer mal wieder ein Terminal, daß entweder die Maut-Karte nicht lesen kann oder eine kontaktlose Bezahlung herausfordernd ist. Wir kommen dann doch alle durch,  auch wenn der durschnittliche Cortisolspiegel bei dem einen oder anderen immer mal wieder gerissen wird. 

Zum späten Nachmittag verlassen wir die Autobahn und fahren auf Landstraßen durch hügelige Gebiete mit Weinreben, verträumte kleine Dörfer und eine so andere Natur als im  Münsterland. Der Campingplatz ist mitten im Nirgendwo und sehr, sehr einfach. 

Es ist immer noch das Pfingstwochenende und wir haben auch keine Chance uns mit Getränken und Essen zu versorgen. Dirk entlockt den Campingplatzbetreiber einige Spirituosen aus seinem privaten Bestand – das abendliche Bier(e) nach einem Fahrtag wird zum Ritual. 

 Das leibliche Wohl kommt etwas zu kurz – die Notverpflegung mit Tütensuppen und Fertiggerichte muss her.

September 2013

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100.000 Klicks.   Wahnsinn. Danke an alle Besucher, die hier immer noch stöbern.

Ingos Sohn  (3) fährt inzwischen selbst Motorrad ( Minicrosser).

Ansonsten sind wir alle wieder in unser Spießerdasein zurückgekehrt und happy.

Da wir gerade alle unsere Mädels bearbeiten, haben wir Grund zu der Hoffnung, daß wir bald mal wieder auf eine längere Tour gehen dürfen.

Wir haben Sie bis jetzt schon von 2026 auf 2019 runtergehandelt. Mal sehen, was da noch geht.

„The Return of the Griffheizers“ in Cinemas all over Europe.

Seit Zeuge, wie die Kukident – Combo eingehüllt in Angoradecken ihre zweite Herausforderung besteht. Wir wissen zwar nicht wo wir hinfahren, sind aber froh, wenn am Ziel einer noch weiß wo wir überhaupt herkamen. gap

Tag 14 bis Tag 132 – nach Hause, die Stille nach dem Feuerwerk

Heute ist der 20.09.2011 und ich habe gerade zum ersten Mal wieder alle Artikel gelesen und alle Videos angeschaut. Der letzte Tourtag ist eigentlich nicht der Rede wert. Runter von der Fähre, 400 km Autobahn… gäähn … und dann alle nach Hause.

Das Heimkommen nach einer Reise ist der Teil, der der Reise eigentlich erst Sinn verleiht. Ich kann nur von mir sprechen, aber ich denke bei den anderen Jungs war es ähnlich. Empfangen zu werden mit Freude, von Menschen die Du liebst und die Dich lieben gehört zu den Dingen, die den Trip auch erlebenswert gemacht haben. 14 Tage war ich zuvor nie von meiner Familie getrennt. Wer von den Lesern jetzt zurecht sagt, ich kenne die angespannte Lage vor und nach jeder dreitägigen Stammtischfahrt nach Mallorca, dem sei verraten: Das ist etwas völlig anderes. Die kenn ich nämlich auch. Von einer 8000 km Motorradtour ( ok. inklusive Fähren ) nach Hause kommen ist dagegen wie eine Konfettiparade in New york. Wunderschön. Ute, Bennet, Lennox 🙂 ihr wisst schon…..

Danach kam das Nichts. Es ist nicht so, daß wir uns danach bewußt aus dem Weg gegangen sind, aber man merkte sofort: Nach dieser zweijährigen Planung , den Treffen, den Bieren bei den Treffen und dieser, absolut großartigen Tour, die jetzt erst richtig bei uns ankommt, war erstmal die Luft raus.

Männer !! Wenn ich mit allen zusammen insgesamt zwanzig mal gesprochen habe bis vor 14 Tagen ist das nicht untertrieben. Wir brauchten alle wieder Platz. Leider hat darunter auch unsere Motivation gelitten die Doku weiter zu pflegen. Sorry. Ich denke aber das ist völlig normal. Wir wollten uns ruck zuck zu einer Nachbereitung treffen, tausende Bilder einstellen und ich natürlich sofort den letzten Bericht fertigen. Na ja zumindest hat der Youtube Kanal geklappt.

Es war irgendwie als wenn man nach dem geilsten Sex gefragt wird, ob man noch kuscheln möchte. Na klar will man noch kuscheln, aber umdrehen und schlafen wäre auch nicht schlecht. Wir haben uns für umdrehen und schlafen entschieden.

Jetzt, nach vier Monaten spürt man aber langsam, daß wir wieder wach werden. Die Sonne strahlt ins Fenster, man dreht sich um und es gefällt einem was man sieht.

Die Kontakte häufen sich wieder. Wir sind wieder da. Elefantentreffen und Villa Löwenherz sind in Planung ( Insgesamt ca. 1200 km, Hammer oder ?? ) Wir kriegen langsam wieder Bock aufeinander……… und das meine ich jetzt nicht im – na jetzt müssen wir uns aber mal wieder melden – sonder im – wir haben wieder Bock – Sinne. Dafür liebe ich es ein Mann zu sein – scheiß auf den Chauvinismus – Monate kaum Kontakt und dann geht es einfach weiter, daß können Frauen nicht…….grunz……

Ich habe lange überlegt, was mir diese Tour bedeutet, gerade mit Kindern, anfang 40, wo die Familie absolute Priorität ist und 14 Tage abhauen völig illusorisch.

Wie kann man so etwas zusammenfassen, das die Familie Dich unterstützt und den Drang versteht, man viele Tage und Nächte zusammenhockt bei Schnee, Eis und Sonne, seinen besten Freund nach einem Streit am Polarkreis in den Arm nimmt, und 8000 km nicht Arbeitnehmer, Famlienvater, Rasenmäher, Autowäscher, Hundrausbringer oder Bildanbohrer ist, sondern einem erlaubt wird mal ein wirklich dickes Ding durchzuziehen von dem viele andere Familienväter leider nur träumen dürfen, einfach Mann sein, im ursprünglichsten Sinne.

Ich sach mal so………..

Ich habe um die Hand meiner Frau angehalten und sie hat „ja“ gesagt, ich hatte schon zweimal schreiende, gerade geborene Söhne im Arm…………………..andere Liga und das beste, was ein Mann erleben kann……………………………………………………..ich war mit meinen Freunden am Nordkap………mit dem Motorrad……………….. das sind die Dinge in meinem Leben, die ich nicht missen möchte.

Und jetzt geh ich mit dem Hund……………………………. wir sehen uns. Danke.gap

Tag 13: Heinola – Helsinki. Letzer Tag in Suomi und Fähre nach Hause.

Die Etappe und die Fähre sind schnell besprochen. Die Nacht hatten wir in Heinola, auf dem sehr idyllisch auf einer Mini-Insel gelegenen Heinäsaari Camping verbracht. Danach nur Autobahn. Fähre 221 € inkl. Bike und Bett pro Person. Das hätten wir uns schlimmer vorgestellt.

Essen ist so lala. Fühstück ganz gut, aber Lunch und Dinner muß man nicht erlebt haben
und mit 17, bzw. 22€ dafür zu teuer.Sauna ist umsonst, aber Souvenirs sollte man vorher besorgt haben. Der Shop ist gelinde gesagt übersichtlich. Lieber in Inari oder Rovaniemi im Souvenir Mekka zuschlagen.

Die Internet- Verbindung ist so schnell, daß man mit den Infos auch einen Schwimmer vorschicken könnte, der diese an eine Postkutsche weitergibt. 56k Modem mit Narkolepsie. Grausam.

Unsere Versuche, uns am Ende der Tour nochmal zünftig zu besaufen, scheitern bisher kläglich. In Heinola extra 10 Dosen Bier mehr gekauft und den Restmetaxa rausgekramt. Wir nippten an unserem Bier wie eins dieser Klappermodelle von Heidi Klum an einem koffein-, kalorien-, geschmacks- und spaßfreien isotonischen Hipgetränk, gähnten, kratzten uns am Bauch und fielen nacheinander ins Bett wie Godzilla nach einer Ladung Raketen in den East River, nicht mal angeheitert. Gestern abend wurde es noch schlimmer. Wir haben es mit Cocktails versucht. Cocktails. Werbetexter, gefangen im Körper von lederbehosten Stinkebären. Was müssen wir für ein beknacktes Bild abgegeben haben mit unseren Schirmchen am Zuckerrand. Wenigstens war auch ein White Russian dabei. Lang lebe der Dude. Trotzdem schliefen wir auch gestern wieder lange bevor die Götter der Fahruntüchtigkeit Platz in unserem Gleichgewichtszentrum genommen hatten. Alte Männer in der Warteschleife, Bingoabend wir kommen !!

Helsinki. Mein Gott, wie weit war das entfernt. Angetrunken saßen wir bei Ingo
( damals konnten wir uns noch besaufen ) und unterhielten uns darüber, daß wir nur noch alte Geschichten erzählen. Wir redeten uns in Rage, daß das Leben zu kurz sei, um bis zum Schluß Geschichten aus Zeiten zu erzählen, in denen Spontaneität nicht nur daraus bestand, mal den Brunch in dem neuen Lokal zu versuchen, sondern in einer Zugfahrt nach Jugoslawien ( wie das früher noch hieß ).

Am Ende des Abends stand der Plan mit dem Motorrad zum Nordkap zu fahren. Beschwipste Männer, bar jeder Vorstellung wie sauweit das ist und wie saukalt es dort im Mai sein kann. Das war vor zwei Jahren. Na ja, spontan ist anders, aber im letzten Jahr kam uns halt die Geburt von Ingos und Melanies Sohn Tjark dazwischen. Jetzt fahren wir auf der Ostsee nach Hause. Man hat ja ohnehin das Gefühl, daß die Lebensgeschwindigkeit mit dem Älterwerden zunimmt, aber dieser Zeitraum verging im doppelten Eiltempo.

Helsinki. Am Fährterminal haben wir Uwe aus Berlin kennengelernt. Typ, sehr dynamischer Pensionär. Er bereiste Norwegen mit seiner Frau im Wohnmobil. Er erzählte uns, diese Tour hätte er auch gerne mal mit dem Motorrad gemacht gemacht. Aber nach einem Unfall war seine Frau die Sorge satt, was nur all zu verständlich ist. Im Anschluß an das Gespräch sind wir uns einig, daß Uwe  wie ein sehr glücklicher Mensch wirkte, aber doch war Wehmut in seiner Stimme, vielleicht aufgrund des nicht eingegangenen Abenteuers. Wir wünschen Uwe und seiner Frau  noch viele Reisen und Glück. Und das er vielleicht den Biker in sich nochmal rausholt, sei es auch auf einem 125er Roller. Dann hat seine Frau zwar wieder eine Sorge mehr, aber die Welt auch einen lachenden  Zweiradfahrer mit Fliegen zwischen den Zähnen. Außerdem gibts auch Platz für eine Sozia. 🙂

Helsinki. 140 km waren es am Etappenstart, ein Klacks, trotzdem hielten wir dreimal an. Es war das Gefühl, sich von dem Haus zu verabschieden, in dem Mann gute gute Freunde zurücklässt. Man fährt langsam, winkt, hupt, dreht sich um, winkt, hupt nochmal, biegt um die Ecke und sagt:“ Jetzt können Sie uns nicht mehr sehen“ Um 18:55 Uhr konnte Finnland uns nicht mehr sehen.

Morgen kommt der letzte Tag.

Pension in Scharbeutz,  Ankunft zwischen 17:00 Uhr und 19:00 Uhr.
Reifenwechsel übermorgen um 09:00 Uhr in Travemünde.

Wir werden berichten. Eure Griffheizer. gap

Tag 12: Kärsämäki – Heinola. Letzter Tag vor der Fähre.

Der letzte komplette Tag vor der Fähre. Wir haben 24 Grad und Sonne. Der Hammer. Die geraden Straßen an der finnischen Seenplatte machen das Fahren hier zur Seelenmassage. Wenn nicht dieser furchtbare Ohrwurm wäre. Ich habe „Live is Live“ von Opus schon gehaßt, als es rauskam. Jetzt sitze ich auf dem Motorrad und singen dauernd “ Labadap bapbap live“ “ Na na nana na “ Komm Junge lenk dich ab, laß die Gedanken fliegen. Wenn etwas möglich ist, dann hier die Gedanken fliegen lassen. Sonorer Motorenklang, gerade Straßen, tolles Wetter.

Labadap bapbap, live. Wozu gibt es eigentlich Beitragsbemessungsgrenzen, oder private Krankenkassen ? – Warum sitze ich beim Arzt erst eine halbe Stunde mit Lesestoff im Wartezimmer und dann eine Stunde im Flur vorm Behandlungszimmer, ohne Zeitschrift ? – Jogi Löw ist schön, gepflegt und erfolgreich, sein Assistent Hansi auch, daß kann doch nur heißen….. und wie geht es eigentlich Guido Westerwelle ? – Schläft Angela Merkel mit ihrem Ma…. na na nana na.

Das war knapp. Das geht über Kilometer so. war Tom Hanks in Philadelphia besser oder in Forrest Gump ? Ist “ Die Verurteilten“ der beste Film aller Zeiten ? – Ist Christoph Waltz jetzt Deutscher oder
Österreicher ? Kung Fu war eine tolle Serie, damals … live.. na na nana na……
Hoppla, Robert blinkt zur Tankstelle. Ich halte neben ihm und frage: “ Wo sind wir eigentlich ?“ “ Keine Ahnung, war mit den Gedanken woanders, irgendwas mit Doppel – ää ! “ Ist das die totale Entspannung ? Als wir weiterfahren, fällt mir auf, daß seit zig Tagen irgendwas mit Bin Laden in den norwegischen und finnischen Zeitungen steht. Den haben sie wohl erwischt. Wir wissen aber immernoch nichts genaues.

Wir haben im Prinzip nichts von dem mitbekommen, was man sonst wichtige Nachrichten nennt. Zu Hause unvorstellbar. N24, ntv, Zeitung, man würde sich um die Infos reißen. Es ist jetzt nicht so, daß wir demonstratives Desinteresse zeigen wollen, aber wir haben seit zehn Tagen keinen Fernseher oder oder Zeitung gesehen. Und es ist für uns einfach nicht wichtig. Auch wenn wir mal WLan haben schauen wir nicht in Zeitungen. Wir vergessen es einfach. Tagebuch schreiben, dann irgendwann ins Bett.

Wir stellen fest, daß 99 % von allem, was täglich über den Bildschirm oder durch die Gazetten geistert eigentlich völlig unwichtig ist und unser Leben nicht im geringsten betrifft. Am Telefon besprechen wir das Tagesgeschehen mit den Familien auch nicht. Die Zeit ist zu kostbar. Da tauscht man Wichtiges aus.

Von existenziellem Belang war für uns nur, daß unsere Frauen uns sagten, daß Sie und unsere Kinder gesund sind. Das alle uns Lieben und sehr Vermissen. Mehr muß ein Mann in Finnland, auf dem Weg nach Hause, nicht wissen. Es ist das einzige, was wirklich zählt.
gap

Tag 12: Risto – der volle Bericht Tag 10.

Zwei Mann Zelt ! Zwei Mann ??? Bilbo Beutlin und Frodo, die Hobbits hätten sich vielleicht zu zweit in mein zwei „Mann“ Zelt zwängen können. Oder ein Pygmäe und sein dreijähriges Kind.
Als ich alles, was über Nacht auf keinen Fall klamm werden durfte im Zelt verstaut hatte, sah der Bereich in dem ich noch Platz zum Schlafen hatte ungefähr so groß aus wie ein Geburtskanal. Und ich gehöre nicht zu den Menschen, die für ihre enorme Flexibilität und Gelenkigkeit bekannt sind. 1,88 m und 100 kg+. Eine Träne rann mir über die Wange, als ich realisierte, was mir bevorstand. Ich gebar mich unter Schmerzen in den Schlafsack. Als ich nach gefühlten 15 Minuten des Ziehens und Zerrens, Rüttelns und Schüttelns, Ächzens und Stöhnens, begleitet vom enorm aufmunternden “ was machst Du da eigentlich ?“ aus dem Nebenzelt, endlich verschnürt im Schlafsack lag, kam der absolute Horror des fleischhaltigen Campers im Minizelt: Wenn man den Gedanken zulässt hat man eigentlich schon verloren. “ Muss ich nochmal Pipi ?“ Da wünscht man sich einen Körper-Joker.

Sofortige Bewußtlosigkeit inklusive Reduzierung des Harndrangs auf Null.
Leider habe ich meinen schon bei den Bundesjugendspielen 1980 verbraucht, um mir die einzige Ehrenurkunde meiner Schullaufbahn zu erstrampeln. An der Schwelle zu den ersten Teeparties mit Knutschen war das sehr wichtig, da man sich ja als potentiell gesund den weiblichen Mitschülern als knutschkompatibel präsentieren konnte. Ausserdem, wenn man es dann nie wieder schaffte durfte man immer sagen „Hatte keinen Bock“ um den Rebellenfaktor auch noch zu steigern, aber ich schweife ab. Kein Körper-Joker. Die Details des raus, wieder rein und wieder raus erspare ich euch, aber ich bin mir sicher, daß Sauerstoffmangel im Biwak auf 8200 Metern höhe nicht das größte Problem ist.

Ich wünschte auch ich könnte euch sagen, daß ich morgens, befreit von jedem Rückenleiden, aus dem Zelt sprang und lachte, aber die Wahrheit ist eine Bestie. Ich plumpste und quoll hangabwärts aus dem Zelt, wie ein Pferdeapfel aus der dafür vorgesehenen Öffnung und sah aus wie Rocky nach 14 Runden Fratzengeballer von Apollo Creed. “ Schneid´mir die Augen auf Mickey !!“ Ich schwor einen heiligen Eid. Nie wieder zwänge ich mich in dieses Präservativ von Zelt, nie.

Jetzt aber auf die Straße und zwar schön langsam. Ingos Reifen wird es nicht bis nach Hause schaffen. Aber wir müssen bis Helsinki, da auf die Fähre rollen und Samstag früh in Travemünde Reifen abbauen und neue drauf. Bestellt sind sie schon. Die Dinger sind blank. Gespanne fressen ganz schön Gummi. Wenn einer der Reifen vor Helsinki den Geist aufgibt haben wir ein Problem im Apollo 13 – Ausmaß. Drückt die Daumen.

Wir passierten Rovaniemi am Napapiri, dem Polarkreis, -schon wiieeder-.
Was wir nicht wußten: Dort lebt der Weihnachtsmann. Riesenbuhei, Freizeitpark usw. An alle Väter. Dort anhalten ist ein Muß. Man kann dort eine Postkarte einwerfen, die erst zu Weihnachten verschickt wird. Wir freuen uns jetzt schon auf die Gesichter unserer Kinder, wenn zu Weihnachten Post vom Weihnachtsmann persönlich kommt. Vaterfreuden. In Oulu, nach 400 km hatte wir unser Etappenziel erreicht. Von wegen. Platz dicht. Wer im Mai durch Finnland fährt, der plane seine Unterkunft bewußt.

Wir einigten uns, die E4 weiter zu fahren bis Kempele, nix,Temmes, nix, Rantsila, nix. In Pulkkila standen wir zusammen, unsere Tanks wurden leer. “ Wir werden wohl wieder zelten müssen“ Ich wandte mich ab und machte den weinenden Stan Laurel. Ich bettelte alle an. “ Bitte, bitte
nur noch bis Kärsämäki“ Na gut dann.

Ich betete. An der Neste – Tankstelle in Kärsämäki tanken. „Campingplatz ?“ “ Noch zu !! “ Oh Gott, oh gottogott. “ Um die Ecke ist ein Motel, versucht doch da euer Glück !“ Risto vom Textiilitalo-Motel öffnete. „Room for five ?“ „No Sorry “ war sein Reflex. Vielleicht sah er erst dann, daß wir Motorradfahrer waren. „Wartet mal, ich hab noch ein Einzel- und ein Doppelzimmer, aber noch zwei Reisebetten, kommt rein“ Wir bauten eine halbe Stunde sein Motel um,
bis wir fünf Betten in zwei Zimmern hatten. Das Motel ist voll von Motorradbildern und Risto selbst begeisterter Classic Biker. Zahnarzt, das Motel sein Hobby. Wir tranken noch ein Bier und quatschten und dankten ihm dabei auf Knien. Ohne Mopped wär das nichts geworden.
Das Motel ist supersauber, klasse Duschen und wirklich nette Zimmer. Ein absoluter Tipp. Lasst euch nicht von der Lagerhallenoptik abschrecken.

Als ich neben Robert im Bett lag, ich meine Bett, bezogen und so ließ ich meinen Gefühlen freien Lauf. Diesmal weinte ich Tränen der Freude, ein Bett. Ich wischte mir die Augen trocken, kuschelte mich ein und schloß glücklich die Augen. In diesem Moment begann Robert zu schnarchen.

gap

P.S. Wer unser Gästebuch liest, wird bemerkt haben, daß die liebe Melanie, dem lieben Ingo auf unserer Website einen wunderbaren Heiratsantrag gemacht hat. Hiermit verkünden wir mit Freuden, daß Ingo voller Stolz und Freude „ja“ gesagt hat. Heute trinken wir wohl ausnahmsweis ein Bier. Robert ist bereits im Wald, um sich eine Wandergitarre zu bauen und wir anderen haben bereits unsere Blöckflöten hervorgeholt um heute abend zur Feier des Tages für die beiden „Freude schöner Götterfunke“ in der D-Moll Version der Zeugen Jehovas Abteilung Castrop-Rauxel zu intonieren. Mit den Worten unseres mächtigen Bürgermeisters – tschuldigung, was vergessen – Mit den Worten unseres, der deutschen Sprache nur bedingt mächtigen Bürgermeisters:

“ Den Jubelpaar an ihren Jubeltach ein dreifaches VIVAT! VIVAT!ViVAT! Alles gute von den anderen Griffheizern. „

Tag 11: Wir duerfen nur kurz ran.

Leider haben wir am letzten Tag vor der Fähre keinen Campingplatz mit WLAN gefunden. Die Chefin dieses Campingplatzes lässt uns nur kurz an Ihren Computer. Wir werden die turbulenten Ereignisse der letzten zwei Tage spätestens Morgen Abend auf der Fähre einstellen.

Wir wollen nicht zu viel versprechen, aber versprecht Euch viel. Wunderbare Ereignisse werfen Ihre Schatten voraus (Gästebuch Leser ahnen etwas)
So langweilig die Strassen in Finnland sind, so schön war das Wetter und so spektakulär die Ereignisse.

Wie ueberleben alte Männer eine Zelt-Nacht? Wo wohnt der Nikolaus? Wie oft ist es in Finnland 24 Grad? Werden Kate & William in den Schatten gestellt? und was hat das ganze mit Angela Merkels Sexleben und „Live is Live“ von Opus zu tun? Wir freuen uns, Euch Morgen Bericht erstatten zu können. Frau Campingplatz guckt schon ganz böse.. wir muessen raus. Finnische Tastaturen haben uebrigens kein „ü“.

gap

Tag 10: Risto, der Zahnarzt, der uns rettete. 530 KM

Ingos Reifen schaffts vielleicht nicht mehr bis nach Helsinki – wir haben heute den Nikolaus am Polarkreis getroffen – nach 400 km wollten wir Schluß machen, es wurden 530 KM und wir waren nervlich fast am Ende.

Wie ein Zahnarzt uns rettete und warum die Liebe auch Männer in Finnland umhaut, lest in unserem Bericht von Morgen. 00:55 Uhr finnischer Zeit. wir sind platt. P.S. Zu großen Teilen auch dank der tollen Resonanz von euch, lieben wir jede Sekunde dieser Tour.

Bis Morgen.gap

Tag 9: Inari – Sodankylä. 254 KM. Ohjemine.

Ich sitze hier 25 km südlich von Sodankylä am See und schreibe. Ortszeit 21:55 Uhr. Hinter mir stehen unsere Zelte ein Stück weiter hoch Markus Yamaha. Ohne Tank, Verkleidung und mit zerlegtem Vergaser . Mitten in der Pampa, ääh Lappland. Was war geschehen ?

Der Tag fing bereits mit einer Reparatur an. Ingos Schalthebel funktionierte nicht mehr richtig, da hat er in kurz zum Reinigen auseinander genommen. Leider ist dabei der Motorblock ein paar Zentimeter abgesackt. 2 Stunden, ein verschlissenes Ratschenband, einem Hebel mit gefundenen Brettern und ca. 90 Flüchen später saß alles wieder am richtigen Platz.

Dann gabs wieder mal unser Frühstück um 13:00 Uhr. Die Burger hier in Finnland sind übrigens mindestens genau so gut wie die Norwegischen und die waren schon Klasse. Hier ist alles allerdings eine Ecke günstiger. Ein Burgermenu mit Fritten und Cola kostet 7,50 €. Das empfindet man nach Norwegen geradezu als Spottpreis.

14:00 Uhr kamen wir erst auf die Straße.
-Im Hintergrund springt übrigens gerade die Ténéré an und alle jubeln, ich auch. 22:15 Uhr jetzt nur noch schnell zusammenbauen-

Wo war ich, ach ja !
Um ca. 16:30 Uhr, hatte ich schon erwähnt, daß der Finne gerne gerade Straßen baut, fiel Markus ein Zylinder aus. Parkplatz, Kühler ab Zündkerze raus.Raus ? Nö ! Aufgrund eines kleinen Kommunikationsproblems hatten wir nicht den richtigen Zündkerzenschlüssel für die einzige Yamaha. Was tun ? Zur nächsten Tanke fahren einen besorgen. Navi aktiviert. Och, sind ja nur 40 km.
Wer fährt ? André, der kann am besten Englisch und ist hier beim Schrauben sowieso über wie Stevie Wonder bei den Montagsmalern. Ich hätte es nicht geglaubt, aber man kann sich gleichzeitig degradiert über den Tisch gezogen und geschmeichelt fühlen.

Ich also los. 80 km für einen Zündkerzenschlüssel. Hier verschieben sich echt die Maßstäbe. Als ich wieder da war konnten wir auch Ruckzuck die Zündkerze als Fehlerquelle aussschließen. Tärää ein Tusch.
Plan: zum Campingplatz Vergaser auseinander bauen. Soll schon auf einem Pott gehen. Und sind ja nur 40 km. Campingplatz war aber voll, viele Monteure. Die ersten hysterischen Lacher. 25 km weg ist noch einer. Pustekuchen, da war mal einer, ein Geistercampingplatz mitten im Nichts, aber schön am See. Jetzt reichte es. Zelte raus und los. Das war um 20:30 Uhr.

Die Fehlerquelle war, daß sich die Leerlaufdüse im Vergaser losgerappelt hatte und der Vergaser dadurch vollief. Immer schön jemanden dabei zu haben, der sich so gut mit sowas auskennt wie Ingo.

Na ja ich kann Englisch, das reicht immerhin für Botenfahrten….grins.
Jetzt wird heute wild gecampt. Der zweite Tag ohne WLAN. Aber wir hoffen auf Morgen. Schön ist es hier, aber langsam arschkalt. Mal gucken ob wir Feuer machen können….grunz.

Bis Morgen.gap

P.S. Nebenbei hat sich Ingo noch bei der Zeltplatzsuche festgefahren, Markus Laune war zwischendurch auf dem absoluten Tiefpunkt und Brathering aus der Büchse schmeckt wie eine Mischung aus Schlag in die Fresse und Yak-anus. Was haben wir doch teilweise für einen Mist als Verpflegung gekauft. Gott sei Dank gibts Morgen wieder Frühstücksburger.